Regierung von Unterfranken und AELF ziehen mit Landwirten an einem Strang
Zwischenfrucht gegen Erosion und Nitratauswaschung

Die Ansaaten der Zwischenfrüchte auf Äckern rund um Oberstreu und Hammelburg waren Thema bei zwei Terminen vor Ort im Oktober 2021. Die Landwirte Ludwig Geis, Oberstreu, und Gerhard Fella, Hammelburg, sind aktiv als sogenannte "Demobetriebe Gewässer-, Boden-, Klimaschutz". Gemeinsam mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bad Neustadt a.d.Saale stellten sie interessierten Landwirtinnen und Landwirten Ergebnisse vor.

Ihr Fazit: gute Ergebnisse, trotz ungünstiger Witterungsverhältnisse, denn zum Saattermin im Spätsommer 2021 hat es zu wenig geregnet.

Gewässerschutz vom Gesetzgeber gefordert
Gelb, Rot, Grün sind die Ampelfarben. Was haben diese Farben mit Gewässer- und Klimaschutz in der Landwirtschaft zu tun?
In Rote, Gelbe und Grüne Gebiete sind die Flächen der Bauern eingeteilt. Bedeuten Grüne Flächen unbelastetes Grund- und Oberflächenwasser, so erfolgt eine Einteilung nach Messergebnissen vor Ort in Rote oder Gelbe Gebiete.
  • Ein überhöhter Gehalt an Nitrat im Grundwasser bedeutet die Zuordnung zu Rotem Gebiet. Das ist den betroffenen Landwirten seit 2019 bekannt.
  • Neu und für viele Landwirte zum Teil unverständlich ist seit Herbst 2020 die Einordnung ihrer Felder in sogenannte Gelbe Gebiete. Hier schaut man nicht auf das Grundwasser wie beim Nitrat, sondern auf die Bäche und Flüsse. In diesen Gebieten gemessene Werte an Phosphor in Oberflächengewässern werden für eine Eutrophierung, d.h. ein Umkippen dieser Bäche, Flüsse und Seen, mit verantwortlich gemacht.
Die Einordnung ihrer Felder in Rote und Gelbe Gebiete hat für Landwirte Konsequenzen durch den Gesetzgeber, da die Ausweisung mit Auflagen für die Bewirtschaftung einhergeht
Mehraufwand durch gesetzliche Auflagen
Während Regularien wie Düngerbilanzen, reduzierte Düngergaben für Rote Gebiete bereits seit Jahren bekannt sind, sind die Regeln für Gelbe Gebiete Neuland und zum Teil auch unverständlich für die Bauern. Bedeuten gesetzliche Auflagen doch häufig höhere Kosten für zusätzliche Auflagen, Arbeitsgänge, Arbeitszeit, Kraftstoffkosten und damit verbunden ggf. niedrigere Ernteerträge.
Zwischenfrüchte verpflichtend
Die Einordnung in Rote und Gelbe Gebiete verpflichtet Landwirte zur Ansaat von Zwischenfrüchten im Herbst auf Flächen, die erst im folgenden Frühjahr mit Sommerkulturen wie Mais oder Zuckerrüben bestellt werden.
"Kein Feld sollte braun in den Winter gehen"
So stimmte Dr. Nadine Jäger von der Regierung von Unterfranken in das Credo der Gewässerschutzberater Julian Megner und Rainer Schubert vom AELF an die Landwirte ein: "Jede, im Herbst und Winter braune Fläche, bietet Wind und Regen die Gelegenheit wertvolle Bodenbestandteile vom Feld in Bäche, Flüsse und Seen zu tragen."
Regierung von Unterfranken informiert

Dr. Jäger unterstützte als Vertreterin der Regierung von Unterfranken die Gewässerschutzberater der AELF in Unterfranken vor Ort mit einem Fachvortrag zur Situation der Gelben Gebiete in Unterfranken. Mit aktuellen Messergebnissen der Messtellen vor Ort belegt sie die Entwicklung der Phosphatgehalte in den Gewässern Unterfrankens.

"Es gibt zu viel Phosphor in unseren Bächen und Flüssen. Dieser kann aus Kläranlagen und Kleinkläranlagen kommen, aber eben auch über Bodenerosion aus der Landwirtschaft. Dabei ist eben nicht die eigentliche Phosphor-Düngung das Problem, sondern ob der Phosphor an Bodenpartikeln haftend in ein Gewässer getragen wird. Das passiert durch Wind- oder Wassererosion."
Dr. Nadine Jäger von der Regierung von Unterfranken

Anbau von Zwischenfrüchten eine Lösung

Die Landwirte Geis Ludwig und Gerhard Fella zeigen auf ihren angelegten Flächen, welche Umweltleistungen die im Spätsommer ausgesäten Pflanzen für sie auf dem Feld übernehmen können.

Zwischenfruchtmischung Ende OktoberZoombild vorhanden

Zwischenfruchtmischung Ende Oktober

Mit unterschiedlicher Wurzeltiefe, Frostempfindlichkeit, Fähigkeit Nährstoffe zu binden oder den Fruchtwechsel anzuregen sind die Zwischenfrüchte wie z.B. Ölrettich (Seradella), Klee, Phacelia, Senf, Abessinischer Kohl, Erbsen, Winterrübsen usw. vielseitig einsetzbar.
Allen gemeinsam ist, dass sie neben dem Binden von Nährstoffen, Lockern von Bodenschichten auch eine das Bodenleben fördernde und humusaufbauende Funktionen erfüllen.
Humus ist wertvoller Bestandteil des Ackerbodens. Regenwurm und Co. verbinden organische Masse aus den Blättern und Stengeln mit den Bodenteilchen. Daraus entstehen stabile Ton-Humusverbindungen, die die Bodenteilchen festhalten. Die Regenwurmröhren sorgen für eine gute Bodenbelüftung und können einen Wasserspeicher bilden.

"Ein gut strukturierter, humoser Boden kann unsere Siedlungen vor Schlamm und Drecklawinen bei Starkregenereignissen schützen. Damit trägt jeder Landwirt, der Zwischenfrüchte anbaut, nicht nur zum Gewässerschutz, sondern auch bei Starkregenereignissen zum Schutz von an Feldern angrenzenden Wohngebieten bei."
Julian Megner, Gewässerschutzberater AELF Bad Neustadt a.d.Saale

Intensiv durchwurzelter krümeliger BodenZoombild vorhanden

Spatenstich in eine intensive Zwischenfruchtmischung

Ertragsfähigkeit langfristig sichern
Gewässerschutzberater Julian Megner erklärt: "Für Landwirte bedeutet die Ansaat von Zwischenfrüchten natürlich auch zusätzliche Kosten für Arbeitszeit, Saatgut und Kraftstoff. Und das bei niedrigen Erlösen für ihre erzeugten Produkte, das gilt es natürlich auch zu verstehen. Dennoch sollten die Vorteile der Zwischenfrüchte für die Bodenfruchtbarkeit in den Vordergrund rücken. Nur so wird es uns gelingen, auch in Zukunft die Ertragsfähigkeit unserer Ackerböden zu erhalten."